Nachhaltigkeit leben – ein Lernprozess über Generationen hinweg

Nachhaltigkeit
 -  23.01.26 - 15:01
Drei Personen lächeln in die Kamera, der Mann in der Mitte hält die Auszeichnung von ibex fairstay

Matthias Ramer ist Cluster General Manager und seit über 20 Jahren bei Sorell Hotels und Restaurants tätig. Er führt das Boutique Hotel Seidenhof mit dem Restaurant Enja sowie das Boutique Hotel St. Peter in Zürich. In seinem Team arbeitet unter anderem Jazie Wider, Lernende Hotel-Kommunikationsfachfrau. Zwei Generationen, geprägt von unterschiedlichen Erfahrungen und Blickwinkeln, verbunden durch die gemeinsame Frage, wie Nachhaltigkeit heute gelebt werden kann. In diesem Beitrag gibt Matthias persönliche Einblicke in seinen eigenen Lernprozess und erzählt, wie ihn der Austausch mit der jüngeren Generation dabei begleitet.

Mann lächelt sitzend in die Kamera
Autor
Matthias Ramer Cluster General Manager Sorell Hotels & Restaurants

In meiner Generation sind wir nicht selbstverständlich mit dem Thema Nachhaltigkeit aufgewachsen. Weder privat noch beruflich hat es mich früh geprägt. Als wir in den Sorell Hotels & Restaurants vor fünf Jahren begannen, uns systematisch damit zu befassen, startete auch für mich ein persönlicher Lernprozess. Einer, der herausfordernd war und mich dazu brachte, mich mit mir selbst auseinanderzusetzen.

Ich musste Gewohntes hinterfragen, Entscheidungen neu bewerten und Verantwortung anders denken. Nachhaltigkeit bedeutete für mich zunächst Verzicht. Heute verstehe ich sie als unternehmerische Aufgabe und als Haltung im Alltag. Bei der ZFV leben wir Nachhaltigkeit als stetigen Entwicklungsprozess. Genau dieser Rahmen ermöglicht es mir, meinen eigenen Zugang dazu kontinuierlich zu schärfen.

Dort ansetzen, wo wir Wirkung erzielen

Ich bin ehrgeizig. Wenn ich etwas anpacke, dann richtig. Deshalb war für mich früh klar, dass wir dort beginnen müssen, wo wir den grössten Hebel haben: in der Gastronomie. Die Reduktion tierischer Produkte ist ein wirksamer Schritt. Gleichzeitig eröffnet sie Raum für Kreativität.
Wir gestalten unsere Speisekarte im Restaurant Enja so, dass vegetarische und vegane Gerichte in den Vordergrund treten. Fleischgerichte bleiben Teil des Angebots und ergänzen die Karte. Entscheidend ist für mich nicht das Verbot, sondern die kluge Gestaltung. Wir wollen es unseren Gästen leicht machen, sich für eine klimafreundliche Option zu entscheiden.

seidenhof

Aussenansicht eines Hotels
Drei Personen lächeln in die Kamera, der Mann in der Mitte hält die Auszeichnung von ibex fairstay
v.l.n.r.: Nicole Thurnherr, Stv. COO Sorell, Matthias Ramer, Cluster General Manager Sorell und Nadja Lang, CEO und Delegierte VR ZFV bei der Verleihung des «Best of ibex fairstay 2025»-Preises in der Kategorie beste Gesamtleistung.
Terrasse mit Liegestühlen
Zimmereinrichtung mit Tapete
Moderne Lobby eines Hotels

Dabei bewegen wir uns in einem Spannungsfeld unterschiedlichster Gästeerwartungen. Wir tragen unternehmerische Verantwortung und möchten gleichzeitig Mehrwert schaffen. Perfekte Lösungen gibt es selten. Ich habe gelernt, dass Nachhaltigkeit bedeutet, abzuwägen, auszuprobieren und weiterzuentwickeln.

Ein wichtiger Meilenstein war das Nachhaltigkeitslabel ibex fairstay in der höchsten Stufe Platinum. Ebenso der letztjährige «Best of ibex fairstay 2025»-Preis für die beste Gesamtleistung, mit dem wir im Boutique Hotel Seidenhof ausgezeichnet wurden. Für mich war dies weniger ein Ziel als eine Bestätigung, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Zwei Generationen, zwei Blickwinkel

Besonders prägend ist für mich der Austausch mit jüngeren Mitarbeitenden. Für viele von ihnen ist Nachhaltigkeit selbstverständlich. Für meine Generation bedeutete sie zunächst ein Umdenken.

Ein starkes Beispiel dafür ist für mich Jazie Wider, Lernende Hotel-Kommunikationsfachfrau. In unseren Nachhaltigkeits-Workshops bringt sie ihre Perspektive aktiv ein. Sie stellt kritische Fragen, macht konkrete Vorschläge und argumentiert mit Überzeugung. Nicht immer teilen wir dieselbe Meinung. Genau darin liegt jedoch der Mehrwert. Unsere Diskussionen fordern mich heraus und erweitern meinen Blick.

Ich schätze diese Hartnäckigkeit. Sie zeigt, wie selbstverständlich Verantwortung heute von jungen Menschen eingefordert wird. Gleichzeitig kann ich meine Erfahrung einbringen und unternehmerische Zusammenhänge aufzeigen. Dieser Dialog zwischen den Generationen ist kein Nebenschauplatz, sondern der Motor unserer Entwicklung.

Nachhaltigkeit als gemeinsamer Prozess

Unsere internen Nachhaltigkeitsteams geben diesem Austausch Struktur. Mitarbeitende aus verschiedenen Abteilungen sowie eine Lernendenvertretung entwickeln Ideen und bringen sie ins Direktionsteam ein. Dort werden sie geprüft, priorisiert und umgesetzt. Treten Hürden auf, gehen wir in den Dialog. Für mich ist genau das gelebte Verantwortung.

Heute kann ich mit Überzeugung sagen: Nachhaltigkeit ist ein fortlaufender Lernprozess – für unser Unternehmen und für mich persönlich. Sie gelingt nur, wenn Generationen bereit sind, einander zuzuhören und gemeinsam weiterzudenken.

Vier Fragen an Jazie

Nachhaltigkeit ist für viele junge Menschen selbstverständlich. Was hat dieses Bewusstsein bei dir persönlich geprägt und wo unterscheidet sich dein Zugang vielleicht von dem älterer Generationen?

Wenn du in Nachhaltigkeits-Workshops mitdiskutierst, welche Themen sind dir besonders wichtig?

Was lernst du im Austausch mit erfahrenen Führungspersonen über unternehmerische Verantwortung und was können sie deiner Meinung nach umgekehrt von deiner Generation mitnehmen?

Kannst du uns ein Beispiel für die letzte Diskussion im Bereich Nachhaltigkeit geben, die Matthias und du hatten?

Über Sorell

Sorell ist Teil der ZFV-Genossenschaft und betreibt in der Deutschschweiz 13 Boutique-Hotels, sechs Restaurants und einzigartige Eventlocations in sechs Destinationen. Als Boutique-Hotelgruppe bietet Sorell Individualität, lokal geprägte Erlebnisse und persönliche Gastfreundschaft. Sorell legt hohen Wert auf Ressourcenschonung – alle Hotels sind «Swisstainable» Level III sowie nach «ISO 14001» zertifiziert.

Beleuchtete, bunte Hotellobby
Boutique-Hotel Seidenhof, Zürich