geboren am 16.8.1931 | gestorben am 23.10.2026
Traurig nehmen wir Abschied von Rosmarie Michel, unserer ehemaligen und langjährigen Verwaltungsratspräsidentin sowie Ehren-Genossenschafterin, die am 23. Oktober 2026 von uns gegangen ist. Mit ihrer unternehmerischen Weitsicht, ihrem grossen Gestaltungswillen und ihrem unermüdlichen Einsatz für die gesellschaftliche Gleichstellung sowie für ihre Heimatstadt Zürich hat sie viel bewegt. Ihr Wirken prägt die ZFV-Genossenschaft bis heute.
Rosmarie Michel trat 1969 in den Verwaltungsrat der Genossenschaft ZFV-Unternehmungen ein und übernahm 1979 das Präsidium. Sie führte das Gremium mit ihrer ureigenen Energie und Tatkraft bis 2001. Die ersten Jahre waren von tiefgreifenden Herausforderungen geprägt: Es galt, die ZFV grundlegend zu sanieren, zu reorganisieren und für die Zukunft zu positionieren. Dass ihr dies gelang, ist unter anderem ihrem umfassenden Branchen-Know-how, ihrer Erfahrung als Unternehmerin und Krisenmanagerin sowie ihrem sicheren Gespür für die richtigen Entscheidungen im richtigen Moment zu verdanken. Rosmarie Michel brachte dafür die besten Voraussetzungen mit: Sie war Absolventin der Hotelfachschule Lausanne (EHL), hatte in renommierten Hotels im In- und Ausland gearbeitet und mit der Confiserie Schurter den traditionsreichen Familienbetrieb am Zürcher Central erfolgreich geleitet. Zudem war sie als Verwaltungsrätin bedeutender Schweizer Unternehmen tätig. Mit ihrem grossen Erfahrungsschatz und ihrem unternehmerischen Gespür setzte sie sich immer uneigennützig und mit viel Engagement für die Zukunft der ZFV ein.
Das Angebot der traditionellen Gemeinschaftsgastronomie in Bildungsinstitutionen wurde während ihrer Amtszeit kontinuierlich ausgebaut und ab 1990 durch Personalrestaurants ergänzt. So wurde unter anderem auch das Hotel Zürichberg saniert und mit dem architektonisch preisgekrönten Annexbau versehen. Es konnte 1994 pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum der Genossenschaft wiedereröffnet werden. Rosmarie Michel war ihrer Heimatstadt Zürich sehr verbunden und unterstützte viele soziale Institutionen. Aber Unternehmertum endet nicht an Stadtgrenzen: Unter ihrer Präsidentschaft wurden im Jahr 2000 die ersten Betriebe in den Kantonen Basel, Bern und St. Gallen eröffnet. Noch heute ist die ZFV-Genossenschaft Mieterin des Cafés in ihrem Familienhaus am Zürcher Central und verkauft dort die mit viel Liebe und Sorgfalt produzierten Zürcher Spezialitäten «Offleten, Geduldszältli und Zürcher Leckerli». Dies verpflichtet uns umso mehr, die von Rosmarie Michel vorgelebten Werte für die nachkommenden Generationen hochzuhalten.
Als Tochter einer berufstätigen Mutter und eines partnerschaftlich denkenden Vaters war Rosmarie Michel eine engagierte Verfechterin von Gleichstellung und Unternehmertum – ein Engagement, das sie gemeinsam mit Dr. Monique Siegel im Buch «Weibliches Unternehmertum» eindrücklich dokumentierte. Sie setzte sich zudem auch international für die Stärkung von Frauen in Beruf, Öffentlichkeit und Politik ein. Als Weltpräsidentin der International Federation of Business and Professional Women (IFBPW) in den Jahren 1983 bis 1985 und als Vice Chair von Women’s World Banking vernetzte sie Pionierinnen rund um den Globus und gab der wirtschaftlichen Frauenförderung eine gewichtige Stimme. 1989 würdigte auch die Universität Zürich ihr ausserordentliches Engagement und ernannte sie zum ständigen Ehrengast und zur «Schirmherrin» der Mensen. Die ZFV-Genossenschaft ist seit rund einem Jahrhundert Gastronomiepartnerin der Universität Zürich. Diese besondere Anerkennung erfüllte Rosmarie Michel ebenso wie die ZFV mit grossem Stolz.
Wer Rosmarie Michel kannte, weiss, dass sie der ZFV-Genossenschaft bis zuletzt tief verbunden war, an den Generalversammlungen stets engagiert mitdiskutierte und ihre wertvollen Gedanken einbrachte. Dafür und für die Zeit mit ihr sind wir unendlich dankbar.
Wir werden Rosmarie Michel als vorausschauende Verwaltungsrätin der ZFV, als umsichtige und erfolgreiche Unternehmerin und Macherin, als treue Wegbegleiterin und Freundin wie auch als Vorreiterin der gesellschaftlichen Gleichstellung in Erinnerung behalten. Gleichzeitig werden wir ihr unternehmerisches und menschliches Erbe sorgfältig weiterpflegen und unsere Vision «Gastfreundschaft für eine Gesellschaft, in der wir alle leben wollen» in ihrem Sinne mit Leben füllen.
In stillem Gedenken
Genossenschaft ZFV-Unternehmungen