Nachhaltigkeit ist bei uns mehr als ein Ziel. Sie ist Haltung, Dialog und gemeinsames Engagement. Olga Steiger, Leiterin Nachhaltigkeit, gibt einen persönlichen Einblick in einen Weg, der nicht immer einfach ist, aber gerade deshalb Wirkung entfaltet. Ein Text über Verantwortung, unterschiedliche Perspektiven und die Kraft, die entsteht, wenn wir uns gemeinsam auf den Weg machen.
«Wirkung entsteht nicht alleine durch perfekte Konzepte, sondern dort, wo viele bereit sind, mitzudenken und mitzuwirken.»
Nachhaltigkeit ist bei uns kein Werbeversprechen, sondern Teil unseres täglichen Arbeitens und manchmal auch ein unbequemes Thema. Sie entsteht dort, wo Menschen Entscheidungen abwägen und Neues ausprobieren, auch wenn das nicht immer in den hektischen Alltag passt. Als Leiterin Nachhaltigkeit bei der ZFV lebe ich genau diesen Spagat zwischen Anspruch und Wirklichkeit, Motivation und Ermüdung. Ich sehe aber auch, wie viel Wirkung entsteht, wenn Nachhaltigkeit als partizipativer Prozess verstanden wird, bei dem alle mitdenken und mitwirken.
Viele Perspektiven, ein gemeinsamer Weg
Die ZFV ist vielfältig. In den Mensen, Personalrestaurants, Hotels und am Hauptsitz arbeiten Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Erwartungen. Für die einen heisst Nachhaltigkeit, so zu kochen, dass möglichst wenig Reste anfallen, für die anderen die Ausbildung von Lernenden, für die Dritten der Rüebli-Lachs auf dem Frühstücksbuffet. Manche sind begeistert, andere zweifeln. Und manche fragen ganz direkt: «Bringt das wirklich etwas?» Diese Ehrlichkeit ist wertvoll, denn sie schafft gemeinsame Lernmomente und ein Verständnis dafür, wie unterschiedlich Rollen und Realitäten in einem Unternehmen sind.
Formate, die Bewegung auslösen
Um dieser Vielfalt gerecht zu werden, setzen wir auf verschiedenen Ebenen an. Wir entwickeln Schulungs- und Workshopformate, die nicht nur Fakten vermitteln, sondern auch zum Nachdenken anregen. Neben dem regelmässigen Schulungsangebot haben wir 2025 mit «Klimafit» eine Workshopreihe durchgeführt, in der jede Abteilung individuelle Lösungen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen in ihrem Aufgabenbereich erarbeitet hat.
Für mich ist es besonders spannend zu beobachten, wie unterschiedlich Teams an das Thema herangehen, wie sich Dynamiken entwickeln, Haltungen verschieben und neue Ideen entstehen. Diese Prozesse sind nicht immer gradlinig, aber genau darin liegt ihre Stärke.
Verankert im Unternehmen
Nachhaltigkeit läuft bei uns nicht nebenher. Unsere Nachhaltigkeitsziele sind Teil der Unternehmensziele und im OKR-Prozess verankert. Über 300 Kolleginnen und Kollegen arbeiten mit ihren Teams an der Zielerreichung. So arbeiten alle OKR-Teilnehmenden über das Jahr hinweg an konkreten, individuellen Zwischenzielen, die auf unsere übergeordneten Ambitionen einzahlen. Ein Beitrag zur Erreichung von Klimazielen kann je nach Funktion und Ausgangslage eine spezifische Schulung, fünf pflanzenbasierte Gerichte pro Woche oder ein Austausch mit Lieferantinnen und Lieferanten sein. Was aus vielen kleinen Projekten entsteht, zeigt sich immer wieder in messbaren Fortschritten, getragen von einem gemeinsamen Verständnis.
«Dank OKR wurde mir bewusst, dass jeder Teilschritt eine wichtige Rolle auf dem Weg zum grossen Erfolg spielt.»
Leadership als Haltung
Besonders prägend ist das Verhalten unserer Führungspersonen. In Leadershipforen sprechen wir offen über Unsicherheiten, Zielkonflikte und die Vorbildfunktion auf verschiedenen Führungsebenen. Hier geht es nicht um perfekte Antworten, sondern um Entwicklung sowie um die Reflexion der eigenen Haltung und des eigenen Verhaltens. Es geht um die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und Vorbild zu sein, auch wenn es neu und anspruchsvoll erscheint.
«Die Auseinandersetzung im Training hat mir geholfen, meine neue Rolle bewusster auszufüllen und Verantwortung aktiv zu übernehmen.»
Gemeinsam Wirkung entfalten
Mich motiviert besonders zu sehen, wie Menschen ihren eigenen Beitrag erkennen. Eine Küchenleitung lässt sich während der Schulung zur pflanzenbasierten Küche begeistern, trotz anfänglicher Skepsis. Ein Team verzichtet auf einen Geräteersatz, weil eine Reparatur doch möglich war. Eine Lernende stellt die Frage, warum wir bestimmte Produkte überhaupt noch anbieten.
Natürlich gibt es auch Frust. Ideen, die scheitern. Projekte, die versanden. Teams, die verständlicherweise andere Prioritäten haben. Manchmal braucht es einen Schritt zurück oder die Einsicht, dass eine Idee noch nicht funktioniert. Doch gerade diese Diskussionen helfen uns, bessere Lösungen zu finden.
Türen, die sich öffnen
Für mich persönlich ist es ein Privileg, diese Entwicklung begleiten zu dürfen. Wenn ich sehe, wie sich Haltungen verändern, wenn auch manchmal sehr langsam. Wenn jemand, der lange skeptisch war, plötzlich selbst eine Idee einbringt. Vieles passiert leise und wirkt gerade deshalb tief. Denn am Ende geht es nicht um grosse Worte, sondern darum, wie wir jeden Tag arbeiten und entscheiden – für eine Gesellschaft, in der wir alle leben wollen.