Nicht jede Behinderung ist sichtbar. Umso wichtiger sind Aufmerksamkeit, Verständnis und ein Umfeld, das auf individuelle Bedürfnisse eingeht. Mit der Mitgliedschaft bei Hidden Disabilities Sunflower setzen die ZFV und Sorell ein sichtbares Zeichen für mehr Inklusion und Chancengerechtigkeit. Warum das gerade in Hotellerie und Gastronomie entscheidend ist und wie gelebte Inklusion im Alltag aussehen kann, erklären CPO Angela Tauro und Stv. COO Hotels Nicole Thurnherr im Interview.
Angela Tauro
ZFV: Angela warum engagiert sich die ZFV für Hidden Disabilities Sunflower?
Angela Tauro: Als Genossenschaft gehören Chancengerechtigkeit, Diversität und Inklusion seit jeher zu unserer Unternehmenskultur. Die Mitgliedschaft bei Hidden Disabilities Sunflower ist für uns ein wichtiger Schritt, dieses Engagement noch wirksamer im Arbeitsalltag unserer Mitarbeitenden zu verankern. Unsichtbare Behinderungen werden oft nicht erkannt, obwohl sie für Betroffene mit grossen Herausforderungen verbunden sein können. Als Teil der Initiative schaffen wir noch mehr Bewusstsein und fördern eine Kultur des Verständnisses, der Offenheit und der Rücksichtnahme. So können wir Barrieren abbauen und die gesellschaftliche sowie berufliche Teilhabe stärken.
ZFV: Warum ist das Thema für Gastronomie besonders wichtig?
Angela Tauro: Hotellerie und Gastronomie sind Orte der Begegnung. Täglich kommen Menschen mit unterschiedlichsten Bedürfnissen und Lebensrealitäten zusammen. Gerade deshalb tragen wir eine besondere Verantwortung, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich alle willkommen, respektiert und verstanden fühlen. Nicht sichtbare Behinderungen werden oft nicht erkannt. Umso wichtiger sind Sensibilisierung, Verständnis und die Bereitschaft, individuell auf Menschen einzugehen. Echte Gastfreundschaft zeigt sich dort, wo Teilhabe für alle möglich wird.
Nicht sichtbare Behinderungen werden oft nicht erkannt. Umso wichtiger sind Sensibilisierung, Verständnis und die Bereitschaft, individuell auf Menschen einzugehen.
Nicole Thurnherr
ZFV: Nicole, warum engagiert sich Sorell für Hidden Disabilities Sunflower?
Nicole Thurnherr: Auch in der Hotellerie folgen wir den übergeordneten ZFV-Grundsätzen und ihrem Engagement für Inklusion und Chancengerechtigkeit. Das Sunflower Lanyard ist ein einfaches und zugleich sehr wirkungsvolles Instrument. Es macht auf unsichtbare Beeinträchtigungen aufmerksam und ermöglicht Unterstützung, ohne dass Betroffene sich erklären müssen. Mit der Einführung senden wir ein klares Signal: Wir hören zu, wir schauen hin und wir gehen auf individuelle Bedürfnisse ein. Gleichzeitig geben wir unseren Mitarbeitenden mehr Sicherheit im Umgang mit sensiblen Situationen.
ZFV: Was bedeutet ein verständnisvoller Umgang aus deiner Sicht für Betroffene?
Nicole Thurnherr: Für Betroffene macht das einen enormen Unterschied. Wenn Mitarbeitende das Sonnenblumen-Symbol erkennen und empathisch reagieren, entsteht Sicherheit und Entlastung. Das bedeutet weniger Stress, weniger Rechtfertigungsdruck und mehr Respekt im Umgang miteinander. Genau darum geht es bei echter Gastfreundschaft.
ZFV: Warum ist das Thema für die Hotellerie besonders wichtig?
Nicole Thurnherr: Unsere Branche lebt von Gastfreundschaft und Begegnung. Gäste sind so vielfältig wie die Gesellschaft selbst. Deshalb ist Inklusion kein Zusatz, sondern ein wichtiger Bestandteil von Gastfreundschaft und Servicequalität. Gerade bei unsichtbaren Behinderungen zeigt sich, wie wichtig Verständnis ist. Nicht alles, was man nicht sieht, ist auch nicht da. Wer Bedürfnisse erkennt und respektvoll darauf eingeht, schafft Sicherheit und Vertrauen.
Inklusion ist kein Zusatz, sondern ein wichtiger Bestandteil von gelebter Gastfreundschaft und Servicequalität.
ZFV: Welche Massnahmen wurden bereits umgesetzt?
Angela Tauro: Als ZFV verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz über sämtliche Geschäftsbereiche. Dazu gehören faire und diskriminierungsfreie Rekrutierungsprozesse, die Förderung von Diversität auf allen Hierarchiestufen sowie flexible Arbeitsmodelle. Chancengerechtigkeit verstehen wir als kontinuierlichen Prozess und festen Bestandteil unserer Kultur.
Nicole Thurnherr: Absolut, entsprechend setzen wir das auch bei Sorell um. Ein zentraler Schwerpunkt liegt dabei auf der Sensibilisierung und Schulung unserer Teams. Mitarbeitende lernen, Situationen besser einzuschätzen und empathisch zu handeln. Mit der Sunflower-Mitgliedschaft haben wir das Thema noch bewusster in unsere Serviceprozesse integriert.
ZFV: Woran lassen sich Fortschritte im Bereich Inklusion und Chancengerechtigkeit erkennen?
Angela Tauro: Ein wichtiges Zeichen wäre, wenn Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen ihre Bedürfnisse selbstverständlich äussern können, ohne Angst vor Unverständnis oder Stigmatisierung.
Nicole Thurnherr: Absolut, Fortschritt zeigt sich auch dann, wenn Rücksichtnahme und Verständnis zur Selbstverständlichkeit werden. Wenn Mitarbeitende intuitiv sensibel reagieren und Verhaltensweisen nicht vorschnell bewerten, sondern mit Offenheit begegnen.
ZFV: Was wünscht ihr euch für die Zukunft?
Angela Tauro: Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der Vielfalt in all ihren Facetten als Bereicherung verstanden wird und Menschen unabhängig von sichtbaren oder unsichtbaren Einschränkungen akzeptiert werden. Unser Ziel ist eine Kultur des Hinschauens, Zuhörens und Verstehens.
Nicole Thurnherr: Inklusion sollte langfristig kein gesondertes Thema mehr sein, sondern selbstverständlich zum Alltag gehören. Wenn Respekt, Offenheit und Verständnis gelebte Standards sind, profitieren nicht nur Betroffene, sondern wir alle.