Wie wird die Verpflegung am Arbeitsplatz vom Kostenfaktor zum strategischen Führungsinstrument? Welche Rolle spielt sie für die Unternehmenskultur, und wie lässt sich ihr Mehrwert sichtbar machen? Wir haben die spannendsten Erkenntnisse unseres NZZ Circle Events für Sie zusammengefasst, ergänzt mit wertvollen Inputs der Branchenexpertinnen und -experten Claus Meyer, Mitbegründer des Restaurants Noma in Kopenhagen und Culinary Entrepreneur, Marie-France Tschudin, Non-Executive Director, Board Advisor und Präsidentin des Swiss Food Nutrition Valley, sowie Marco Huber, Strategy Officer GNOVO, Space Visionary & Human Experience Strategist.
Die Verpflegung am Arbeitsplatz ist nicht bloss ein Kostenfaktor. Sie ist ein strategisches Führungsinstrument: Sie prägt täglich Kultur, Leistungsfähigkeit und Zugehörigkeit.
Relevanz: Welche unternehmerische Herausforderung kann die Betriebsgastronomie besonders wirksam angehen – Gewinnung und Bindung von Talenten, Gesundheit, Unternehmenskultur, Leistungsfähigkeit oder Nutzung der Arbeitsräume?
Die Wirkung auf die Unternehmenskultur ist der stärkste Hebel. Gutes Essen gibt den Menschen einen Grund, ins Büro zu kommen und miteinander in Kontakt zu treten. Es geht nicht nur darum, Menschen zu verpflegen, sondern einen Ort zu schaffen, an dem sie gerne zusammenarbeiten. Wir glauben, dass Essen weniger als Kostenfaktor betrachtet wird, sondern vielmehr als Investition, die Wert schafft.
Business Case: Welche Nachweise würden einen CEO oder CFO davon überzeugen, dass Betriebsgastronomie eine Investition und nicht bloss ein Kostenfaktor ist?
Eine Führungsperson möchte wirtschaftlichen Erfolg und Menschlichkeit zusammenbringen. Daher sollten wir den Business Case nicht allein anhand der Kosten pro Mahlzeit beurteilen. Wir müssen auch fragen: Wird das Angebot genutzt, und wie gross ist der Anteil der Mitarbeitenden, die es nutzen? Sind die Mitarbeitenden zufrieden? Und können wir diesen Mehrwert mit einem wirtschaftlich tragfähigen Betrieb erbringen? Dafür braucht es klare Ziele für die Verpflegung am Arbeitsplatz innerhalb der Unternehmensstrategie.
Kontroverse: Die traditionelle Betriebskantine reicht nicht mehr aus. Wie sollten die Verpflegung und das soziale Miteinander am Arbeitsplatz der Zukunft aussehen – und womit sollten Unternehmen aufhören?
Kantinen sollen nicht verschwinden, im Gegenteil. Aber wir sollten die Vorstellung hinterfragen, dass ein klassisches Mittagessen zu festen Zeiten für alle ausreicht. Ausgangspunkt müssen die Menschen am jeweiligen Standort sein: Wann sind sie da, was brauchen sie und wie möchten sie die Räume nutzen? Das beste Konzept ist nicht das aufwendigste. Es ist dasjenige, das zu den Bedürfnissen der Gäste passt und das wir jeden Tag zuverlässig und bezahlbar umsetzen können.
Verantwortung: Wer sollte auf Geschäftsleitungsebene für dieses Thema verantwortlich sein? Und was ändert sich, wenn es nicht mehr ausschliesslich an Facility Management, Finanzen oder HR delegiert wird?
Die Gesamtverantwortung liegt bei der Geschäftsleitung, die Umsetzung bei einem bereichsübergreifenden Team. HR, Facility Management, Finanzen und der Gastronomiepartner bringen jeweils eine andere Perspektive ein. Wenn wir Essen rein als Infrastruktur betrachten, dreht sich das Gespräch um Kosten. Wenn wir es als Teil des Arbeitsplatzerlebnisses verstehen, sprechen wir auch über seinen Beitrag zur Unternehmenskultur; das Thema wird strategisch. Wir brauchen beide Perspektiven.